Warum fühlt sich mein Marketing nicht stimmig an?

Wenn innere Haltung und äußere Kommunikation nicht mehr zusammenfinden.

Viele Menschen, die zu mir kommen, formulieren ihr Problem nicht als klassisches Marketingthema. Sie sagen selten: „Meine Strategie ist falsch.“ Oder: „Ich brauche bessere Kanäle.“

Sie sagen eher Dinge wie:

  • „Es fühlt sich schief an.“

  • „Ich mache eigentlich alles richtig – aber irgendwas passt nicht.“

  • „Je mehr ich mache, desto anstrengender wird es.“

Dieses Gefühl ist ernst zu nehmen, denn es ist kein Umsetzungsproblem. Es ist ein Kohärenzproblem.

Wenn Werte da sind – aber keine Wirkung entsteht

Viele reflektierte Unternehmer:innen haben ein sehr klares inneres Wertesystem. Sie wissen, wofür sie stehen, was ihnen wichtig ist, was sie nicht wollen.

Und trotzdem entsteht im Außen kein stimmiges Bild. Marketing fühlt sich dann an wie ein notwendiges Übel: als etwas, das man „halt machen muss“, obwohl es innerlich Widerstand erzeugt. Beiträge werden geschrieben, gelöscht, umformuliert. Sichtbarkeit kostet Kraft. Und am Ende bleibt das Gefühl, sich ständig erklären zu müssen.

Das liegt nicht daran, dass Werte fehlen. Sondern daran, dass Werte nicht automatisch Wirkung erzeugen. Werte sind eine innere Orientierung. Marketing ist eine äußere Übersetzungsleistung. Wenn diese Übersetzung fehlt, entsteht Reibung.

Wenn innere und äußere Logik nicht zusammenpassen

Marketing wird dann als unstimmig erlebt, wenn zwei Ebenen nicht mehr zueinanderfinden:

  • die innere Logik (Haltung, Werte, Denkweise)

  • die äußere Logik (Formate, Sprache, Kanäle, Erwartungen)

Viele versuchen, dieses Spannungsgefühl durch mehr Aktivität zu lösen: mehr Content, mehr Disziplin, mehr „Dranbleiben“.

Das Problem dabei: Mehr vom Falschen verstärkt nur das Gefühl, sich selbst zu verlieren.

Marketing wird anstrengend, wenn es nicht mehr aus Klarheit entsteht, sondern aus Anpassung, Vergleich oder implizitem Druck. Dann fühlt sich Sichtbarkeit nicht wie Ausdruck an, sondern wie Selbstvermarktung.

Typische Symptome fehlender Kohärenz

Wenn Marketing sich nicht stimmig anfühlt, zeigen sich oft ähnliche Muster:

  • Entscheidungen werden endlos abgewogen

  • Formulierungen fühlen sich fremd an

  • Sichtbarkeit wird aufgeschoben

  • Inhalte bleiben sachlich korrekt, aber ohne Resonanz

  • Erfolge fühlen sich leer an

  • Kritik trifft überproportional stark

Das sind keine Zeichen mangelnder Kompetenz. Im Gegenteil: Sie treten häufig bei Menschen auf, die sehr genau wahrnehmen, wie sehr Kommunikation Wirkung erzeugt. Gerade reflektierte Menschen spüren früh, wenn sie beginnen, etwas zu vertreten, das nicht wirklich ihres ist.

Warum Kohärenz wichtiger ist als Konsistenz

Im Marketing wird oft von Konsistenz gesprochen: gleiche Farben, gleiche Botschaften, gleiche Taktung.

Kohärenz geht tiefer.

Sie beschreibt die innere Stimmigkeit zwischen dem, was jemand denkt, fühlt, sagt und tut. Marketing wirkt dann ruhig, klar und tragfähig, wenn diese Ebenen nicht gegeneinander arbeiten.

Das heißt nicht, dass alles perfekt oder abgeschlossen sein muss. Aber es braucht eine innere Ordnung, aus der Kommunikation entstehen darf. Nicht jede Marke braucht mehr Lautstärke. Viele brauchen weniger inneren Widerspruch.

Warum „mehr machen“ selten die Lösung ist

Wenn Marketing nicht stimmig ist, liegt die Lösung selten im Außen. Neue Tools, neue Plattformen oder neue Strategien helfen nur begrenzt, wenn die innere Logik ungeklärt bleibt. Dann fühlt sich jede Maßnahme wie ein zusätzlicher Druckpunkt an.

Was stattdessen hilft, ist ein Innehalten: Nicht im Sinne von Stillstand, sondern im Sinne von Sortierung. Was gehört wirklich zu mir? Was habe ich übernommen, weil es „so gemacht wird“? Wo spreche ich nicht aus meiner eigenen Haltung heraus, sondern aus Anpassung?

Diese Fragen sind unbequem. Aber sie schaffen die Grundlage für Marketing, das nicht ständig gegen das eigene System arbeitet.

Stimmigkeit ist kein Luxusproblem

Viele glauben, dieses Unwohlsein sei ein Zeichen von Überempfindlichkeit. Oder davon, sich „zu viele Gedanken“ zu machen. Das Gegenteil ist der Fall. Das Gefühl von Unstimmigkeit ist ein Frühwarnsignal. Es zeigt an, dass innere und äußere Ebenen auseinanderdriften.

Wer es ernst nimmt, kann Marketing so gestalten, dass es wieder tragfähig wird – ohne sich lauter, härter oder angepasster machen zu müssen. Stimmiges Marketing entsteht nicht durch Optimierung.

Sondern durch Kohärenz. Und daran lässt sich arbeiten.

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Brauche ich wirklich eine Markenstrategie – oder übertreibe ich?

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Warum sich reflektierte Menschen häufig selbst ausbremsen